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Schmalz, Karl Gustav: 
Medizinische Diagnostik - Aus dem Bereich der Semiotik

Artikelnr.: 808
Zustand: Buchpreis gebunden
 125,00
  • 976 Seiten
  • Bibliotheksleinen
  • Fadenheftung

Leseprobe: Jens Ahlbrecht: Vorbemerkungen zur Neuauflage
Leseprobe: Inhaltsübersicht
Leseprobe: Diagnostische Tabellen
Leseprobe: Register

Die vorliegende Neuauflage von Karl Gustav Schmalz Medizinische Diagnostik ergänzt und erweitert die in den letzten Jahren erschienene Literatur zur medizinischen Semiotik um ein Werkzeug zur Differentialdiagnose verwandter oder zeichenähnlicher Krankheitsbilder. Das Werk erschien erstmals im Jahre 1808 und erlebte in der Folge bis 1825 insgesamt vier Auflagen, für die es jeweils überarbeitet, aktualisiert und erweitert wurde. Die vierte und letzte Auflage wurde 1830 noch einmal in einer unveränderten Ausgabe in Wien nachgedruckt.

Für diejenigen, die auch im 21. Jahrhundert von dem ungeheuren Erfahrungswissen der alten, zeichenbasierten Medizin profitieren wollen und dieses in ihrer Praxis einsetzen möchten, stellt Schmalz Medizinische Diagnostik in zweifacher Weise eine enorme Bereicherung dar:

Zum ersten fungiert das Werk aufgrund seines umfangreichen alphabetischen Registers für den Adepten der Semiotik als ein nahezu vollständiges Wörterbuch der in der alten Medizinsprache gebräuchlichen Diagnosebegriffe und kann dadurch wesentlich zu einem besseren Verständnis der alten Texte beitragen. Viele Semiotik-Adepten, die sich in den letzten Jahren dem Wissen der alten zeichenbasierten Medizin über die semiotischen Nachschlagewerke, z. B. von Albers, Küttner, Suckow oder Sprengel anzunähern versucht haben, sahen sich beim Nachschlagen von Krankheitszeichen mit einer Vielzahl von klinischen Begriffen konfrontiert, mit denen sie zunächst wenig anzufangen wußten und deren jeweilige Bedeutung sie sich erst in diversen anderen Quellen erarbeiten mußten. Da Schmalz sämtliche vorkommenden klinischen Erscheinungen und Diagnosebegriffe definiert, ist hier eine rasche Orientierung in einem einzigen Werk möglich.

Zum anderen aber, und dies ist natürlich die zentrale Funktion des Werkes in der praktischen Arbeit, ermöglicht Schmalz Medizinische Diagnostik in umfassender Weise eine fundierte Diagnose und Differentialdiagnose von Krankheitserscheinungen auf der Basis eines semiotischen Krankheitsverständnisses, wie dies mit kaum einem anderen vergleichbaren Werk möglich ist. Besonders faszinierend erscheint hier, daß aufgrund der präzisen und hochdifferenziellen Beschreibungen der Phänomene selbst anhand von scheinbar wenig differenzierten Lokalphänomenen wie etwa einem Leistenabszeß oder einer Psoriasis sichere Unterscheidungen der den jeweiligen Krankheitszeichen zugrundeliegenden Diathesen möglich sind, indem sich etwa eine syphilitische Leistendrüsengeschwulst durch andere Lokalerscheinungen zu erkennen gibt als eine skrophulöse oder eine mercurielle etc. Essentieller Bestandteil dieser praktischen Arbeit ist das 70-seitige Register am Ende des Buches, das neben seiner Index-Funktion zumindest rudimentär auch eine systematische Orientierung ermöglicht, indem unter einem Schlagwort (z. B. Pneumonia, Rheumatismus, Tussis etc.) sämtliche pathologischen Formen des entsprechenden Diagnosebegriffes bzw. klinischen Zeichens aufgeführt werden. Hier wird man z. B. bei Tussis nicht nur auf Hustenformen, deren Ursache idiopathisch in den Atemwegen selbst liegen (z. B. katarrhalischer, bronchialer, pulmonaler, phthisischer Husten), sondern auch und gerade auf verschiedene consensuell bedingten Varianten (z. B. gastrisch, hepatisch, rheumatisch, gichtisch, cardial, spastisch etc. motivierten Husten) aufmerksam gemacht, die man in der Folge im Textteil studieren kann.

Eine besondere Qualität des Werkes besteht darin, daß die einzelnen Darstellungen durch mannigfaltige Querverweise miteinander verbunden und vernetzt sind. Auf diese Weise findet sich stets das Lokale sinnhaft mit dem Allgemeinen verbunden und in Relation gesetzt, wodurch jede für sich stehende, isolierte Krankheitserscheinung immer auch einen Bezug zum erkrankten Individuum erhält und nicht, wie in der heutigen Lehrmedizin üblich, abstrahierend aus dem Zusammenhang des Lebendigen herausgerissen wird. Gerade die Möglichkeit einer Zuordnung lokaler Erscheinungen zu einer sämtlichen Beschwerden und Leiden eines Kranken zugrundeliegenden Diathese hat ganz erhebliche Auswirkungen auf den therapeutischen Ansatz, da nur die Therapie der zugrundeliegenden Diathese wirklich kausal ist, jede bloß lokale Fokussierung hingegen stets Gefahr läuft, lediglich auf der Ebene des partikularen, von der Diathese motivierten Zeichens symptomatisch-palliativ zu unterdrücken.

 

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