Übersetzung: Martha Greiner

Die rasante Entwicklung der Medizin im 20. Jahrhundert aufgrund der praktischen Umsetzung von bahnbrechenden Erkenntnissen in der Chemie, Biologie und angewandten Technologien (Elektronik, Lasertechnik usw.) im großen Stil erschien wie ein Wunder, mit dem man einige der schmerzvollsten Probleme in der Geschichte der Menschheit anpacken kann.

Jedoch gab es seit den „Jahrzehnten der Missachtung“ (1960-80) Stimmen des Protests, die die „Strategie“ der Schulmedizin als solches in Frage stellten – Unterdrückung der Symptome und keine Behandlung und Heilung der Ursachen – während man auf die schweren Nebenwirkungen bei der Behandlung hinweist, vor allem auf die Nebenwirkungen durch chemische Medikamente, die nach dem 2. Weltkrieg massiv in die medizinische Behandlung Einzug fanden.

Seitdem gibt es ein immer größer werdendes Interesse an den sogenannten alternativen Heilmethoden, welches auch anhaltend wächst trotz der Einwände seitens der Schulmedizin. Diese alternativen Heilmethoden schließen auch die Homöopathie mit ein, eine Therapie, die in einem großen Teilen der westlichen Welt schon vor und während des 19. Jahrhundert verbreitet war, ehe sie im 20. Jahrhundert in Vergessenheit geriet.

Es war der Grieche George Vithoulkas, der sie wiederbelebt und auf globaler Ebene neu etabliert hat als einen partikularen, aber doch wichtigen Trend auf dem Gebiet der Medizin, und auch für ihre Anerkennung und ihre Wiederherstellung in ihrer richtigen Form kämpft, nämlich die individualisierte Behandlung eines jeden Patienten. Ausgezeichnet mit dem „Alternativen Nobelpreis“ (Right Livelihood Award) für seinen dazu geleisteten Beitrag, Professor emeritus an der Universität der Ägäis und der Medizinischen Fakultäten von Moskau und Kiew, Ehrendoktor würde von mehreren medizinischen Fakultäten, hat George Vithoulkas auch die Internationale Akademie für Klassische Homöopathie auf der griechischen Insel Alonissos gegründet, wodurch Griechenland zu einem globalen Zentrum für Homöopathie wird.

Anlässlich der Neuveröffentlichung seines Buches: „The New Dimension in Medicine“ (Die neue Dimension der Medizin), hat sich George Vithoulkas freundlicherweise bereit erklärt, die Fragen der Athener Nachrichtenagentur Mazedonische Presseagentur (ANA-MPA) zu beantworten.

Dimitris Konstantakopoulos interviewt George Vithoulkas.

- Herr Vithoulkas, in Ihrem Buch stellen Sie die Behauptung auf, dass die Schulmedizin in ihrer Mission versagt hat, chronische Krankheiten zu verhindern oder zu heilen und auch hauptsächlich verantwortlich ist für die Degeneration der Volksgesundheit.
Warum sagen Sie so etwas? Die Verteidiger der Schulmedizin 
werden als Einwände äußern, dass sie Wunder bewirkt hat, dass sie die Lebenserwartung drastisch erhöht hat.

Es würde eines dicken Buches bedürfen, um so eine Frage zu beantworten, aber dieses kleine, von mir geschriebene Buch könnte ein paar Hinweise darauf enthalten. Was ich meine, ist, dass die Schulmedizin in ihrem therapeutischen Ansatz versagt hat. Sie hat große Fortschritte in der Chirurgie und auf dem Gebiet der technischen Entwicklungen gemacht, aber sie hat den falschen Weg bei den Therapeutika eingeschlagen, d.h. der Gebrauch und oft auch Missbrauch von chemischen Medikamenten und Hormonen zur Bekämpfung vor allem von chronischen Krankheiten.
Es stimmt sicherlich, dass sie die Lebenserwartung erhöht hat, aber gleichzeitig hat sie auch die allgemeine Gesundheit und Lebensqualität herabgesetzt.

- Was meinen Sie damit?

Was wir jetzt wissen, ist, dass ernste chronische Krankheiten unterdrückt, aber nicht geheilt werden können. Die Unterdrückung der Symptome zwingt jedoch den Krankheitsprozess dazu, tiefer in den Organismus einzudringen, d.h. auf die emotionale und geistige Ebene.

- Geben Sie uns bitte ein Beispiel.

Ein Patient, der sich einer unterdrückenden Behandlung bei irgendeiner chronischen Krankheit unterzieht, läuft Gefahr, Störungen auf der geistigen und emotionalen Ebene zu bekommen, wie z.B. extreme Reizbarkeit, Stress, Depression, sexuelle Störungen, die anfangs das soziale und berufliche Leben nicht zu beeinträchtigen scheinen, aber mit der Zeit konzentriert sich die Störung immer mehr auf der mentalen und emotionalen Ebene und unterminiert, fast hinterhältig und böswillig, die allgemeine Gesundheit des Patienten. In den letzten Jahrzehnten haben sich diese Wirkungen in der westlichen Welt gezeigt, wobei die Bevölkerung fast in ihrer Gesamtheit an geistigen Abweichungen und Störungen leidet.

- Was ist Ihre Antwort auf die Skeptiker, die die Homöopathie und „alternative Behandlungen“ im Allgemeinen als gefährliche Form der Quacksalberei abtun?

Welche anderen therapeutischen Ansätze, außer der Homöopathie, können Sie gut heißen, und welche Therapien lehnen Sie ab oder halten sie für wirkungslos? Solche Vereinfachungen sind reine Oberflächlichkeit, sie schütten das Kind mit dem Bade aus, um Eindrücke zu erzeugen. Heute gibt es hunderte von „Therapievorschlägen“, die nichts bewirken, aber gleichzeitig die weniger intelligenten und ungebildeten Leute der westlichen Welt irreführen. Diese Mentalität von Einheitslösung, bei der all diese „Optionen“ zu einem Paket geschnürt werden zusammen mit bestimmten seriösen alternativen Heilmethoden, wie Homöopathie, Akupunktur, Osteopathie, Chiropraktik, Diätlehre, Körperhygiene – die alle erprobte und etablierte Therapieformen sind – erzeugt Verwirrung, die allen anderen dient, aber nicht den armen Patienten, die in diesem Labyrinth der Möglichkeiten verloren gehen. Gewiss, nach meiner persönlichen Auffassung, hat jedes dieser wenigen Therapiesysteme, die ich genannt habe, Erfolge bei bestimmten Leiden und unter bestimmten Umständen. Mein Fachgebiet ist die Homöopathie, die ich für die strukturierteste und wirksamste Therapie halte, die wahrscheinlich auch die größte Bandbreite an Krankheiten abdeckt. Wir sollten allerdings nicht den Eindruck vermitteln, dass die Homöopathie alles heilen kann oder dass sie einfach zu praktizieren wäre.

- Sie sind durch und durch kritisch, was, unter anderem, den Gebrauch von Antibiotika, Penicillin und Cortison anbelangt. Und dennoch sind diese nicht die Wundermedizin, um mit ihr Infektionen zu behandeln? Was würde aus uns werden, wenn es sie nicht gäbe?

Es ist wahr, dass diese Medikamente sehr oft das Leben von Patienten mit schweren Infektionen retten können, aber das bedeutet nicht notwendigerweise , dass diese Patienten nicht unter den Nebenwirkungen dieser Medikamente leiden, die sie für den Rest ihres Lebens beeinträchtigen können. Bei chronischen Krankheiten ist es jedoch noch schlimmer. Wenn jemand eine ernste chronische Krankheit bekommt, rät der Arzt dem Patienten, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass dieser Zustand für den Rest seines Lebens anhält und mit Medikamenteneinnahme verbunden ist, die fast nie heilen sondern nur Linderung verschaffen. Es ist sicher, dass man mit Homöopathie in solchen Fällen eingreifen und das verlorene Gleichgewicht des Körpers wiederherstellen kann, so dass der Patient nicht von chemischen Medikamenten abhängig ist.

- Sie sind nicht der einzige Kritiker am Fundament des Gesundheitswesens und an seiner Organisation. Dennoch, und trotz der Verbreitung von Ideen wie den Ihrigen, haben sich die Dinge nicht hinlänglich verändert. Worauf führen Sie das zurück?

Das ganze Gesundheitssystem basiert auf der Schulmedizin, welches nicht von einem auf den anderen Tag zusammenbrechen kann. Dieses System wird sicherlich eines Tages zusammenstürzen, weil es nicht auf einer dem Menschen gerechten Medizin basiert, die die Gesundheit der Menschen im Fokus hat. Die Interessen der Pharmaindustrie, die Ambitionen der medizinischen Wissenschaftler als auch die Konkurrenz untereinander, das Streben nach Geld und Ruhm sind so stark, dass die Sorge um eine humane Medizin zweitrangig ist. Wir sprechen über das etablierte Gesundheitssystem als Ganzes, aber wir dürfen dabei nicht die Ärzte vergessen, vor allem die in den Kliniken, die sich tagtäglich selbst aufopfern, um ihren Patienten zu helfen.

- In Ihrem Buch beschreiben Sie extremen Egoismus als Stimulus für Krankheit. Diese Position scheint in direktem Kontrast mit der in der Gesellschaft herrschenden gängigen Vorstellung zu sein. Gehen Sie da nicht zu weit?

Diese Ansicht ist das Ergebnis meiner Erfahrung bei der Behandlung von Tausenden von Patienten. Bei der Aufnahme ihrer Krankengeschichte habe ich entdeckt, welche Rolle der Egoismus und die Eigennützigkeit bei der Entstehung von Krankheiten spielen. Zum Beispiel ist ein selbstsüchtiger Mensch viel anfälliger und erkrankt viel ernster als ein bedürfnisloser und bescheidener Mensch. Jemand, der meint er wisse alles, wird irgendwann zur Zielscheibe des Spotts vonseiten anderer Menschen und wird so tief verletzt und der Schmerz wird dann tief und stark sein; der Stress durch eine Beleidigung wird für einen egoistischen Menschen sehr groß sein, und es besteht für Menschen mit einer entsprechenden Veranlagung eine große Wahrscheinlichkeit, bei solchen Vorfällen eine chronische Krankheit zu entwickeln. Natürlich ist nicht nur der Egoismus ein Auslöser für anlagebedingte chronische Krankheiten, aber er stellt einen wichtigen Faktor dar. Ich sollte allerdings auch sagen, dass ein gesunder „Stolz“ bis zu einem gewissen
Grad nützlich sein kann, wenn er dazu beiträgt, dass jemand seine Würde behält.

- Was ist Ihrer Meinung nach die Beziehung zwischen menschlicher moralischer Autorität, dem geistigen/spirituellen Zustand und körperlicher Gesundheit?

Je bodenständiger, bescheidener und liebenswürdiger jemand ist, desto weniger läuft er Gefahr, krank zu werden aufgrund von Stress durch gegen sie gerichtete Ungerechtigkeiten, Bosheiten und Beleidigungen. Menschen, die es gelernt haben, zu vergeben, selbst wenn sie sehr grob und absichtlich ungerecht behandelt wurden, schützen sich selbst davor, die in ihrem Körper anlagebedingten Prädispositionen zu chronischen Krankheiten auszulösen – die
jeder jederzeit entwickeln kann, aber vor allem wenn das Immunsystem durch starke negative Emotionen geschwächt wird.

- Wie erklären Sie sich, dass Menschen, die im allgemeinen von der Gesellschaft nicht als besonders moralisch integer angesehen werden, wie z.B. viele Politiker, zumindest wenn wir Meinungsumfragen glauben können und dem, was über sie gesagt wird, scheinbar eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit haben? Wer überlebt letztendlich besser, die Guten oder die Bösen?

Das ist eine ganz interessante Frage, über die ich mir auch besonders Gedanken mache. Mir scheint es, dass der Kampf um die Macht Menschen erfordert, die sehr stark sein müssen, sehr gesund von Natur aus, seit ihrer Geburt. Früher sahen wir diese Art von sogenannten „robusten“ Menschen in politischen Familien, in denen der Vater aufgrund seiner Leistung finanziell und sozial erfolgreich ist, aber nachdem er Macht gewonnen hat, wünscht er diese unbefristet beizubehalten und so Autorität und Reichtum für alle seine Nachkommen zu sichern.

Wenn er erst einmal an die Macht gelangt ist, will er für immer dran bleiben, nicht nur für sich selbst, sondern auch für seine Nachkommen, und dann beginnt ein innerer Konflikt mit seinem Gewissen, bis es ihm schließlich gelingt, die Stimme seines Gewissens zu unterdrücken, so dass sie ihn nicht mehr quält. Ab diesem Zeitpunkt beginnt ein schleichender Verfall des Körpers. Anfangs wird sich das als Stress zeigen, mit Phobien, mit Panikattacken und später auch in körperlicher Pathologie enden. Solange ein Politiker geleitet wird vom Idealismus, sein Land zu retten, ist auch er gesundheitlich gesehen gerettet und entwickelt sich zu einer Persönlichkeit. Je mehr ein Politiker sich von Eigeninteressen leiten lässt, desto weniger Anziehungskraft hat er für die Öffentlichkeit und desto tiefer fällt er, zuerst in seiner politischen Karriere und dann auf der geistigen und körperlichen Ebene. Deswegen enden Politiker, die mit dem Privileg der bestmöglichen Gesundheit geboren wurden, krank und korrupt, einer degenerierten Gesellschaft ausgeliefert, für deren Schaffung sie selbst beigetragen haben. Wir sprechen natürlich über die Politiker, die Macht ausübten. Diejenigen, die von dem zuvor genannten System abgewichen sind, wie z.B. Ioannis Kapodistrias (1776-1831, 1. Staatsoberhaupt Griechenlands, A.d.Ü.) oder Nikolaos Plastiras (1883-1953, griechischer Ministerpräsident, A.d.Ü.), wurden entweder ermordet oder verbannt.

- Der kranke Durchschnittsbürger wird direkt oder indirekt von einer Fülle von Informationen und Werbungen, sowie widersprüchlichen und unterschiedlichen Aussagen durch die Medien und Ärzte bombardiert. Was sollte jemand Ihrer Meinung nach tun, um sich in dieser Umgebung, in der Verwirrung herrscht, zu orientieren?

Jemand der leidenschaftslos bleibt, der sich nicht von der glamourösen Werbung verführen lässt, der nicht dem leichtverdienten Geld und schnellem sozialen Aufstieg hinterherhetzt, nur dieser Mensch allein kann die Phänomene unserer Zeit beurteilen und richtig einschätzen – dieser Mensch schafft es, gesund zu bleiben und die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Unsere Großväter waren solche Menschen. Ein Beispiel für so einen gesunden, vernünftigen, tiefsinnigen Menschen ist das Mitglied der Akademie von Athen, Konstantin Despotopoulos (1913-2016, griechischer Politiker u. Philosoph, A.d.Ü.), ein außergewöhnlicher Mann, der sich im 103. Lebensjahr befindet, sowie einiger seiner alten Freunde, die er in seinen Interviews erwähnt (Beachten Sie bitte: das Interview mit Herrn Vithoulkas fand kurz vor dem Tod von Konstantin Despotopoulos statt). Alle modernen Griechen sollten sich seine Interviews anhören und ansehen, wenn sie einen echten Typ eines gesunden Menschen sehen wollen. Leute seines Kalibers werden immer seltener, während die anderen, die Mehrheit, immer mehr in ihrer Gesundheit beeinträchtigt werden durch eine immer mehr degenerierende Kultur, die die Menschen verwirrt und schwächt.

- Wie schätzen Sie die derzeitige Situation und Krise im griechischen Gesundheitssystem ein? Was sollte geschehen? Wie könnten die Homöopathie und andere „alternative Heilmethoden“ dieser Krise entgegenwirken?

Wie können Sie ein intaktes Gesundheitssystem in einem Land erwarten, dass so krank und erschöpft wie Griechenland ist? Wenn sich die politische Landschaft nicht drastisch ändert, wird es keine echte Lösung für das Gesundheitssystem geben.
Im Augenblick wird das ganze System in eine totale Privatisierung getrieben, und nur diejenigen mit Geld können sich Ärzte und Medikamente leisten. Und die anderen…
Die derzeitige globale Situation von äußerst inhumanem Verhalten, Grausamkeit und Barbarei kündigen die Richtung an, in welche die Dinge sich entwickeln durch diejenigen, die weltweite Entwicklungen vorantreiben. Sie sind zweifellos nicht daran interessiert, intakte und solide Gesundheitssysteme zu installieren, da sie selbst immer in der Lage sein werden, die besten Ärzte und die besten Medikamente für sich zu finden. Der Rest wird sich immer
dieselbe Frage stellen: Wann wird diese Gesellschaft wirklich menschlich?

- Sagen Sie noch ein paar Worte zu Ihrem Buch.

Dieses Buch wirft mehr Fragen auf als es Antworten gibt auf die großen und wichtigen Gesundheitsthemen. Die richtigen und verständlichen Antworten werden eines Tages auftauchen, wenn wir alle erkannt haben, dass wir Glück und Gesundheit nicht durch Geld oder Macht bekommen, sondern durch unsere Sorge und Liebe für
unsere Nächsten.

Alle Bücher von George Vithoulkas auf einen Blick...

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